Wen-Do-Selbstbehauptungskurs für Frauen in der WfbM Steufzgen

11.12.2023

Anhand einer Tafel sammeln die zehn Teilnehmerinnen, welche Schwachstellen man nützen könnte, wenn man sich bedroht fühlt.

Was ist Gewalt – wo kann sie stattfinden – und wer übt sie aus? Auch diese Sammlung erstellten die Teilnehmerinnen zusammen mit ihrer Wen Do-Trainerin.

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Kempten (mori).  Rollstuhlfahrerin Sandra macht ein zorniges Gesicht und schlägt mit all ihrer Kraft auf das Schlagpolster von Wen Do-Trainerin und Sozialpädagogin Steffi Kruse. Diese ermutigt sie, es nochmal zu versuchen. Bei Julia geht es darum, sich beim Rollenspiel im Gespräch mit einer Vorgesetzten durchzusetzen und ihr eine klare Ansage zu machen. – Das sind zwei Beispiele aus einem Wen Do-Kurs, der gerade in der Werkstatt Steufzgen der Allgäuer Werkstätten abgehalten wird. Er soll den dort beschäftigten Frauen mit körperlicher oder auch geistiger Einschränkung mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein in unangenehmen, brenzligen Situationen geben. „Bevor Ihr euch der Situation stellt, bitte noch einmal tief durchatmen“, rät Wen Do-Trainerin Steffi Kruse. Und: „Das, was wir hier im geschützten Raum üben, hilft Euch sicherlich im wahren Leben.“ Übrigens: „Wen DO“ heißt übersetzt „Weg der Frau“.

Es ist seit langem der erste Kursus dieser Art, der in der Steufzger Werkstatt stattfindet. Anlass war die Belebung der gesetzlichen Vorgabe zur Entwicklung eines Gewaltschutzkonzeptes bis 2021. „Den Kurs sehen wir als praktische Umsetzung der Gesetzesvorgabe“, erzählt dazu Sophia Eggert vom Sozialdienst in Steufzgen. „Es gab früher bereits Kurse zur Selbstbehauptung des Frauennotruf Kempten, doch jetzt die Erprobung des Ansatzes Wen Do war neu für uns. Aber: Ein weiterer ist bereits in Planung, denn das Interesse der weiblichen Belegschaft ist groß.

Sabine, eine der Teilnemerinnen, freut sich auf jede Kurseinheit und ist immer die erste im Raum. „Jugendliche waren zu mir schon sehr übergriffig. Sie haben mich betatscht und als Krüppel beschimpft“, erzählt Bernadette. Sie hat sich dann schon mal mit den Fußstützen ihres Rollstuhls revanchiert. „Du kannst auch laut um Hilfe rufen“, gibt ihr Kruse einen Tipp. Denn: „Eine Stimme haben wir alle!“

Apropos Stimme: Im Kurs geht es auch darum, in einem Gespräch eine klare Ansage zu machen, beispielsweise, wenn zwei Gruppenleiter über einen statt mit einem reden! Hier sind drei Schritte möglich. Erstens: „Entschuldigt, aber das verletzt mich.“ Zweitens: „Das finde ich nicht in Ordnung.“ Drittens: „Ich würde mir wünschen, ihr bindet mich in das Gespräch ein.“ Natürlich sollte man dabei nicht herumkichern, sondern ein ernstes Gesicht machen. Im Rollenspiel gelingt das nicht immer, aber Ansätze sind da. „Man kann das üben, klar und ernst zu sagen, wenn eine Grenzüberschreitung da ist.“

Im Rollenspiel üben Janine und Steffi folgende Situation: Stefan (gespielt von Steffi) möchte Janine küssen. Die mag ihn zwar – aber nicht so. „Ich möchte das nicht“, sagt Janine daher ernst. „Du bist mein Kumpel, aber mehr nicht – und ich möchte, dass Du das akzeptierst.“

Im Bus erlebte eine Kursteilnehmerin eine unangenehme Situation. Sie kam fast nicht zum Aussteigen, weil so viele Schüler bereits hereindrängten. Sie empörte sich laut und war erfolgreich. Trotzdem ärgert sie die Situation auch Monate später noch, wenn sie drüber spricht. „Du brauchst Dich nicht mehr ärgern, sondern kannst stolz auf Dich sein, dass Du den Konflikt selbst gelöst hast“, freut sich Kruse.

Eine Kurseinheit fehlt noch. Der Wunsch der Teilnehmerinnen: „Lass uns nochmal üben, laut zu sein.“

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