„Zam schaffa“ Projektwoche des GPV Kempten-Oberallgäu

11.07.2022

v. l. Werner Gäkle (INTEGRA KE / OA-Beauftragter der AW), Thomas Wawrzinek (AAP Fa. Dambeck), Petra Sattler (AAP Fa. Kleinlein), Alexander Hold (Landtagsabgeordneter u. Vizepräsident des Bayer. Landtags sowie Bezirks- u. Stadtrat), Matthias Zimmermann (Prokurist / Werkstattleiter AW)

Foto: moriprint

 

 

Kempten (mori). „Zam schaffa“ – dass das funktionieren kann, davon konnten sich jetzt Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in neun unterschiedlichen Einrichtungen im Allgäu im Rahmen der gleichnamigen Projektwoche überzeugen. Eingeladen hatte dazu der Gemeindepsychiatrische Verbund Kempten-Oberallgäu (GPV). „Die berufliche Inklusion und Teilhabe in der Region sollte für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden – und das ist uns gelungen“, nannte Ulrike Bölker, Koordinatorin vom GPV, die Zielsetzung der Aktion. Mal arbeiteten die Gäste mit den Beschäftigten auf Augenhöhe zusammen, mal gab es Gespräche und Besichtigungen.

Alexander Hold, Landtagsabgeordneter und Vizepräsident des Bayerischen Landtags sowie Bezirks- und Stadtrat, besuchte zum Abschluss der Aktionswoche die S-Werkstatt der Allgäuer Werkstätten. Er unterhielt sich hier mit zwei Beschäftigten von zwei Außenarbeitsplätzen. Außerdem hatten die Vertreterinnen vom Werkstattrat einige kritische Fragen an ihn, die er auch mit in seine Fraktion nahm. Auch besichtigte er die S-Werkstatt.

Zunächst aber stellten Prokurist Matthias Zimmermann, Werkstattleiter Robert Walter und Hausleiter Bernhard Kohler ihrem bekannten Gast die Allgäuer Werkstätten in all den unterschiedlichen Facetten vor. Da der Schwerpunkt in der Projektwoche auf Menschen mit einer psychischen Behinderung oder auch von solcher Behinderung bedrohten Personen lag, war Alexander Hold eben Gast der S-Werkstatt am Eggener Berg.

Hold war sehr interessiert an der Arbeit der Mitarbeiter in der Werkstatt und auf den Außenarbeitsplätzen. Er nahm sich aber auch gerne der Sorgen der Menschen mit psychischer Beeinträchtigung an. In der S-Werkstatt sind es nämlich sogenannte „Quereinsteiger“. Anders als die Schulabgänger der Tom-Mutters-Schule oder der Astrid-Lindgren-Schule kommen die Beschäftigten im Alter zwischen 17 und 58 Jahren aufgrund ihrer seelischen Handicaps in die S-Werkstatt. Die Arbeit in der Werkstatt gibt Tagesstruktur und bietet soziale Kontakte.

Alexander Hold interessierte beispielsweise auch, warum Petra S. und Thomas W. nicht auf einen sozialversicherten Arbeitsplatz wechseln, sondern auch nach fünf Jahren bewährtem Arbeiten auf ihren Außenarbeitsplätzen beim Baustoffhändler Kleinlein und beim Sanitätshaus Dambeck den Schutz der Werkstatt vorziehen. Dazu informierte Integrationsbe-auftragter Werner Gäkle: „Die Arbeit läuft wirklich gut, dennoch gibt es unseren Beschäftigten mit Einschränkungen Sicherheit, wenn sie unter dem Schutz der Werkstatt bleiben. Sie können nach 20 Jahren die EU-Rente in Anspruch nehmen – oder hatten beispielsweise auch während der Pandemie den Schutz durch die Werkstatt. Die meisten der 36 Beschäftigten auf einem Außenarbeitsplatz haben wir in der Pandemie nämlich zurück in die Werkstatt geholt.“

Der 45jährige Thomas ergänzte noch: „Ich habe der Werkstatt viel zu verdanken, hier haben sich Freundschaften entwickelt. Das möchte ich nicht missen.“ Auch Petra weiß die Sicherheit der Allgäuer Werkstätten zu schätzen. Als Telefonistin bekommt sie oftmals Einiges zu hören und da ist sie froh um die Unterstützung des Integrationsbeauftragten, der ihr sagt, wie sie damit besser umgehen kann. Werner Gäkle: „Für die Betriebe und auch für uns ist so ein Außenarbeitsplatz dennoch eine „win-win-Situation“.“

Die Mitarbeiter mit seelischer Behinderung waren begeistert vom Landtagsabgeordneten Alexander Hold. „Herr Hold war ganz locker und ganz natürlich und sehr interessiert an unserer Arbeit“, lautetet ihr Fazit. Ein gemeinsames Selfie mit dem früheren TV-Richter war natürlich wichtig – und auch eine Autogrammkarte für die Mama.

Das gemeinsame Resümee der zehn Gäste während der Projektwoche: „Es war eine bereichernde, interessante Aktionswoche mit vielen neuen Eindrücken. Tagesstruktur und eine sinnvolle Aufgabe sind wichtig für jeden Menschen.“ Und: „So eine Aktionswoche soll es auch 2023 wiedergeben!“ – Und sicher sind dann auch die Allgäuer Werkstätten neben anderen Einrichtungen wieder dabei.

 

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